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Eigenkapital aufbauen: Tipps für Erstkäufer im Immobilienmarkt

Eigenkapital aufbauen: Tipps für Erstkäufer im Immobilienmarkt

Wer zum ersten Mal eine Immobilie kaufen möchte, steht vor einer der größten finanziellen Entscheidungen des Lebens. Eigenkapital aufbauen ist dabei der erste und oft schwierigste Schritt für Erstkäufer im Immobilienmarkt. Ohne ausreichendes Eigenkapital sind die Hürden hoch: Banken verlangen Sicherheiten, die Zinsen steigen bei geringem Eigenanteil, und die monatlichen Belastungen können schnell zu einer Überforderung werden. Rund 20 Prozent des Kaufpreises sollten Erstkäufer als Eigenkapital mitbringen — das ist die Empfehlung, die sich in der Praxis bewährt hat. Doch wie gelangt man dahin, wenn das Gehalt knapp ist und die Immobilienpreise in Städten zwischen 2.500 und 5.000 Euro pro Quadratmeter liegen? Dieser Leitfaden zeigt, wie es geht.

Warum Eigenkapital beim Immobilienkauf so viel ausmacht

Ein Immobilienkauf ohne Eigenkapital ist theoretisch möglich, aber in der Praxis mit erheblichen Nachteilen verbunden. Banken und Kreditinstitute bewerten das Risiko eines Darlehens anhand des eingebrachten Eigenanteils. Je geringer dieser ist, desto höher fällt der Zinssatz aus — und desto mehr zahlt der Käufer über die gesamte Laufzeit des Kredits.

Im Jahr 2023 lagen die durchschnittlichen Hypothekenzinsen in Deutschland zwischen 3,5 und 4,5 Prozent. Wer mit nur 10 Prozent Eigenkapital in eine Finanzierung einsteigt, zahlt oft einen Zinsaufschlag von 0,3 bis 0,5 Prozentpunkten gegenüber jemandem, der 20 Prozent mitbringt. Über eine Laufzeit von 20 Jahren summiert sich das auf Zehntausende Euro.

Eigenkapital schützt außerdem vor dem sogenannten Unterwasser-Risiko: Sinken die Immobilienpreise nach dem Kauf, kann der Marktwert der Immobilie unter die Restschuld fallen. Wer ausreichend Eigenkapital eingebracht hat, ist in einem solchen Szenario deutlich besser geschützt. Professionelle Beratung durch einen unabhängigen Finanzberater oder eine Verbraucherzentrale hilft, diese Risiken realistisch einzuschätzen.

Nicht zu vergessen sind die Kaufnebenkosten: Grunderwerbsteuer, Notar- und Grundbuchkosten sowie gegebenenfalls eine Maklerprovision machen zusammen 10 bis 15 Prozent des Kaufpreises aus. Diese Kosten werden von Banken in der Regel nicht mitfinanziert und müssen vollständig aus eigener Tasche bezahlt werden. Das bedeutet: Wer eine Immobilie für 300.000 Euro kauft, braucht allein für die Nebenkosten zwischen 30.000 und 45.000 Euro.

Ein solides Eigenkapitalpolster gibt zudem Verhandlungsspielraum gegenüber Verkäufern. Käufer, die schnell und sicher finanzieren können, haben in einem umkämpften Markt einen echten Vorteil. Das gilt besonders in Ballungsräumen wie München, Frankfurt oder Hamburg, wo Immobilien oft innerhalb weniger Tage verkauft werden.

Schritt für Schritt zum eigenen Sparpolster

Eigenkapital entsteht nicht über Nacht. Es braucht eine klare Strategie, Disziplin und — vor allem — Zeit. Der erste Schritt ist eine ehrliche Bestandsaufnahme der eigenen Finanzen: Wie hoch sind die monatlichen Einnahmen und Ausgaben? Wo lässt sich sparen, ohne die Lebensqualität dauerhaft zu beeinträchtigen?

Folgende Methoden haben sich beim Aufbau von Eigenkapital bewährt:

  • Ein separates Sparkonto einrichten und jeden Monat einen festen Betrag automatisch überweisen — am besten direkt nach dem Gehaltseingang
  • Regelmäßige Ausgabenanalyse mit Apps oder Haushaltsbuch, um versteckte Kostenfresser zu identifizieren
  • Bausparverträge nutzen, die staatlich gefördert werden und gleichzeitig ein zinsgünstiges Darlehen für den späteren Kauf sichern
  • Einmalige Einnahmen wie Steuerrückerstattungen, Boni oder Erbschaften konsequent auf das Sparkonto einzahlen statt für Konsum zu verwenden
  • Geldanlagen in ETF-Sparpläne prüfen, wenn der Kaufzeitpunkt noch mindestens fünf Jahre entfernt liegt, um von Renditen zu profitieren

Eine realistische Sparquote liegt bei 20 bis 30 Prozent des Nettoeinkommens. Wer 2.500 Euro netto verdient und monatlich 600 Euro zurücklegt, hat nach fünf Jahren rund 36.000 Euro gespart — ohne Zinsen und Förderungen. Das reicht für viele Regionen bereits als solider Eigenkapitalanteil.

Die Wohnungsbauprämie und die Arbeitnehmer-Sparzulage sind staatliche Instrumente, die beim Aufbau von Eigenkapital über vermögenswirksame Leistungen helfen. Beide werden oft unterschätzt, können aber über Jahre hinweg einen nennenswerten Beitrag leisten.

Staatliche Förderprogramme gezielt nutzen

Erstkäufer müssen das Rad nicht allein erfinden. Der Staat und verschiedene Institutionen bieten gezielte Unterstützung, die den Eigenkapitalaufbau beschleunigen oder den Finanzierungsbedarf reduzieren kann. KfW-Förderprogramme der Kreditanstalt für Wiederaufbau sind dabei die bekannteste Anlaufstelle in Deutschland.

Das KfW-Wohneigentumsprogramm (Produkt 124) bietet zinsgünstige Darlehen für den Kauf oder Bau von selbstgenutztem Wohneigentum. Die Konditionen sind oft besser als bei klassischen Bankdarlehen, und die Antragstellung läuft über die Hausbank. Ergänzend dazu gibt es das Bundesförderprogramm für effiziente Gebäude (BEG), das energieeffizientes Bauen und Sanieren unterstützt.

Auf Länderebene existieren zahlreiche weitere Programme: Bayern hat das BayernLabo-Förderprogramm, Nordrhein-Westfalen bietet Wohnraumförderung über die NRW.BANK. Die Konditionen variieren stark je nach Region und Einkommenssituation. Eine Recherche beim jeweiligen Landesförderinstitut lohnt sich in jedem Fall.

Für Familien mit Kindern war bis Ende 2022 das Baukindergeld ein attraktives Instrument, das inzwischen ausgelaufen ist. Als Nachfolgemodell prüft die Bundesregierung neue Eigentumsförderungen für Familien, deren genaue Ausgestaltung sich noch in der Diskussion befindet. Wer plant, in den nächsten Jahren zu kaufen, sollte die politischen Entwicklungen aufmerksam verfolgen.

Beratungsangebote der Verbraucherzentralen sind eine neutrale und oft kostengünstige Möglichkeit, den Überblick über alle verfügbaren Fördermittel zu bekommen. Auch das Portal service-public.fr (für Grenzgänger im deutsch-französischen Raum) oder die Bundesregierung selbst bieten Informationen zu aktuellen Förderungen an.

Konkrete Tipps für Erstkäufer im Immobilienmarkt

Wer zum ersten Mal kauft, macht häufig vermeidbare Fehler. Der häufigste: zu früh kaufen, bevor ausreichend Eigenkapital und finanzielle Puffer vorhanden sind. Ein Notgroschen von mindestens drei bis sechs Monatsgehältern sollte auch nach dem Kauf noch verfügbar sein — für unerwartete Reparaturen, Jobverlust oder andere Unwägbarkeiten.

Erstkäufer sollten außerdem die Gesamtkosten der Immobilie realistisch kalkulieren. Neben dem Kaufpreis und den Nebenkosten kommen laufende Ausgaben für Instandhaltung, Hausgeld bei Eigentumswohnungen und eventuelle Modernisierungsmaßnahmen hinzu. Als Faustregel gilt: Ein bis zwei Prozent des Immobilienwerts pro Jahr sollten für Instandhaltung eingeplant werden.

Eine Immobilienbewertung durch einen unabhängigen Gutachter schützt davor, zu viel zu bezahlen. Gerade in angespannten Märkten neigen Käufer dazu, überhöhte Preise zu akzeptieren, nur um den Zuschlag zu bekommen. Ein professionelles Gutachten gibt Sicherheit und kann in Verhandlungen als Argument dienen.

Die Wahl des richtigen Tilgungssatzes beeinflusst die Gesamtkosten erheblich. Ein anfänglicher Tilgungssatz von zwei Prozent statt einem Prozent verkürzt die Laufzeit des Darlehens deutlich und spart Zinskosten. Wer sich das leisten kann, sollte diese Option ernsthaft in Betracht ziehen — gerade in Zeiten höherer Zinsen.

Kreditwürdigkeit realistisch einschätzen

Bevor ein Kreditantrag gestellt wird, sollte jeder Erstkäufer seine eigene Bonität und Kreditwürdigkeit kennen. Die Schufa-Auskunft gibt Aufschluss darüber, wie Banken die eigene Zahlungshistorie bewerten. Negative Einträge — auch kleine — können die Kreditkonditionen verschlechtern oder einen Antrag gänzlich scheitern lassen.

Banken prüfen bei der Kreditvergabe mehrere Faktoren: das regelmäßige Nettoeinkommen, die Beschäftigungssituation (Beamte und unbefristet Angestellte werden bevorzugt), bestehende Verbindlichkeiten und natürlich die Höhe des Eigenkapitals. Als grobe Faustregel gilt: Die monatliche Kreditrate sollte nicht mehr als 35 Prozent des Nettoeinkommens betragen.

Ein Kreditvergleich über mehrere Banken und Vermittler lohnt sich. Unterschiede von 0,2 bis 0,5 Prozentpunkten im Zinssatz klingen gering, summieren sich über 20 Jahre aber auf mehrere tausend Euro. Plattformen wie Interhyp oder Dr. Klein bieten unabhängige Vergleiche und können dabei helfen, das beste Angebot zu finden.

Wer seine Kreditrate und Laufzeit sorgfältig plant und dabei professionelle Begleitung durch einen zugelassenen Finanzberater in Anspruch nimmt, vermeidet die häufigsten Fallen bei der Immobilienfinanzierung. Der Kauf einer Immobilie ist ein Marathon, kein Sprint — und wer gut vorbereitet startet, kommt auch sicher ins Ziel.

Redactie Aktive Immo

Die Redaktion von Aktive Immo besteht aus erfahrenen Immobilienfachleuten und Finanzjournalisten, die komplexe Themen verständlich aufbereiten. Über uns